Leute, stuttgart diary

Durch Stuttgart mit… Oliver Mahn, dem Geschäftsführer vom Filmbüro Baden-Württemberg

Mumbai roch wie die gewürzte DDR

Ich habe Oliver Mahn, den 1. Vorstand vom Filmbüro Baden-Württemberg getroffen und mit ihm über Leidenschaften, seinen letzten guten deutschen Film im Kino und über Indien gesprochen…

Verein mit Traditionen und Visionen  Als gemeinnütziger Kulturverein mit Sitz im Zentrum der baden-württembergischen Landeshauptstadt engagiert sich das Filmbüro Baden-Württemberg in den Bereichen Film, Wirtschaft, Kultur und Bildung und macht sich stark für Nachwuchsförderung und Integration. Oliver Mahn ist seit 2001 Geschäftsführer und 1. Vorstand. Unter seiner Federführung fand dieses Jahr zum 11. Mal das Indische Filmfestival Stuttgart statt. Im Dezember startet bereits zum 20. Mal die Filmschau Baden-Württemberg, darin integriert das Jugendfilmfestival mit dem Wettbewerb um den Jugendfilmpreis.

This is not Hollywood

Friedrichstraße 37, 4. Stock. 5-Zimmer-Büro. Ok, ich hatte mir so ein Filmbüro irgendwie glamouröser vorgestellt. Das Filmbüro Baden-Württemberg ist so weit vom Hollywoodchic entfernt wie der VfB von der Meisterschaft. Es geht in der Tat hinter den Kulissen extrem unglamourös zu. Unser tägliche Arbeit besteht darin, starke Filme zu machen, dem Nachwuchs eine Bühne zu geben und Stuttgart als einen wichtigen Medienstandort zu festigen. Das leuchtet schon für sich.

Talk about Stuttgart

Oliver Mahns Eltern kamen in den 1950er Jahren aus Thüringen und Sachsen ins Schwabenland. Ist Stuttgart Heimat? Klar, ich bin hier geboren.  Stuttgart ist der Ort meiner Kindheit und Jugend. Ich lebe wahnsinnig gerne hier. Und es zieht mich – ganz ehrlich – auch nicht weg. Ist Stuttgart mehr Stadt oder Provinz? Stuttgart hat echt Tendenzen Richtung Provinz. Man kann einfach mal rausgehen, die Stadt ist überhaupt nicht aufgeregt. Das finde ich schön.

Oliver Mahn

Home sweet home

Ich bin in der Tat sehr gerne zu Hause. An der schönen Uhlandshöhe. Dahin ziehe ich mich zurück, wenn ich meine Ruhe haben will. Ich habe ja den ganzen Tag viel Trubel. Das brauche ich privat gar nicht.

Eine Welt wie im Kino?

Wohl kaum, aber mit Berührungspunkten. Doch einen richtig typischen Tag gibt’s bei Oliver Mahn nicht. Ich habe nie den gleichen Alltag. Immer anders, immer neue Leute, das ist das Spannende. Den erste Kaffe gibt’s halb neun mit Team. Besprechung, was am Tag so ansteht. Meist geht’s um Festivalplanungen, politische Termine (Das Filmbüro wird gefördert), Trailer erstellen, Kooperationspartner besuchen, die Homepage grafisch neu gestalten, Texte schreiben. Im Januar geht’s mal wieder nach Indien. Auch das muss vorbereitet werden. Das wichtigste Thema gerade ist die Filmschau. Da läuft hier alles auf Hochtouren. Vom 3.-7. Dezember gibt’s einen Überblick über das filmische Schaffen von Filmprofis, Studierenden und Absolventen der Filmhochschulen und Medien-Ausbildungsstätten in Baden-Württemberg. Die besten Filme werden mit dem Baden-Württembergischen Filmpreis ausgezeichnet.

Bleibt da viel Zeit für Privates?

Kultur muss sein. Im Sommer habe ich mir in Bayreuth den „Ring“ angeschaut. Unter der Woche gehe ich gerne ins Jonny M. Fitnessclub – gleich um die Ecke ;). Das ist ein Grund, warum ich da 3 Mal die Woche bin. Ich hatte nie großen Ehrgeiz zum Sport. Sieht man aber nicht. Aber ich will gesund leben, da muss der Sport Teil des Alltages werden. Ansonsten bin ich oft im „5“. Dort merkt man einfach die hohe Qualität der Nahrungsmittel – das ist mir total wichtig.

Manchmal übermannt Oliver Mahn die Lust. Dann koche ich selber. Essen und Kochen ist mein großes Laster. Laster ohne Spuren zu hinterlassen. Kommt etwas Neid auf. Dann stehe ich abends manchmal zwei Stunden in der Küche. Nur für mich. Single. Ich kaufe auch gerne ein. Donnerstagmorgen auf dem Stuttgarter Wochenmarkt zum Beispiel.

India meets Markthalle

Wenn die Inder uns besuchen kommen, dann gehen wir immer in die Markthalle. Das muss man erleben. Die kennen zum Beispiel keinen Käse. Im Juli 2015 ist es wieder soweit. Der Termin ist schon mal „gebloggt“ ;).

Ein Schwabe in Indien

Über zehn Mal war Oliver Mahn jetzt schon in Mumbai. Mumbai ist heute eine große Business-Stadt, schon mit typisch indischem Flair, aber nicht mehr so exotisch und an manchen Stellen sehr europäisch. Bei meiner ersten Reise vor zehn Jahren roch es dort wie die gewürzte DDR. Die vielen Zweitakter, das tropisch warme Klima, die Feuer, die Nachts brannten, all das erinnerte mich ein bisschen an die DDR. Das 11. Mal Indien steht schon vor der Tür. Wird das nicht langweilig mit der Zeit? Auf keinen Fall! Es ist jedes Mal eine Erlebnis. Seit dem ersten Festival 2004 sind wir dort. Wir kennen so viele Leute da, zum Beispiel den ersten Hindi sprechenden Vampir-Schauspieler. Und alle laden uns auch privat zu sich ein. Da bekommst du das ganz normale Leben mit und somit viele schöne kleine Erlebnisse, Zufälle teilweise. Das ist unbezahlbar.

Reisen ja, aber bitte mit Zusammenhang.

Wenn jemand so oft in Indien ist, dann stellt sich bei mir die Frage, ob Oliver Mahn auch sonst viel um den Globus reist. Ich bin ein Reisemuffel. Ein ungläubiges ECHT? aus meiner Richtung. Wenn ich schon reise, dann nur in einem Zusammenhang. Keine Ahnung, ob ich ohne das Festival je nach Indien gefahren wäre. Ich für mich habe mehr davon, wenn ich einen Bezug zu dem Land oder Ort habe.

Film Überdruss?

In Vorbereitung auf das Festival muss Oliver Mahn runde bunte 300 Filme anschauen. Will man da privat eigentlich noch ins Kino? Unbedingt. Es ist wichtig, dass es die Filmindustrie gibt. Das Kino muss sich aber auch mehr auf den demografischen Wandel, den wir gerade erleben, einstellen, neue Zielgruppen generieren. Die Neuverfilmung vom „Weißen Rössle“ will ich unbedingt mal sehen. Aber es ist nicht so einfach, einen guten Film zu finden.

Letzter deutscher Film, der richtig gut war?

Fack ju Göhte. Selten so gelacht, wie in diesem Film. Der wollte nicht mehr, als er ist. Wunderbar.

Ich reiche mir

Den Satz kann ich für mich so gar nicht bestätigen. Leider. Aber Oliver Mahn ist sich ganz sicher. Ich mag die Zeit, die ich mit mir selber verbringe. Der Job ist trubelig, ich bin ganz gern auch mal alleine, lese viel. Glücklich im hier und jetzt? Ich bin nicht vorbehaltlos glücklich, aber mir geht’s gut.

Interessante Links zum Filmbüro: 

Indisches Filmfestival Stuttgart  | Jugendfilmfestival  | 20. Filmschau BaWü

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