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Es geht immer noch was! Interview mit Äffles Voice Heiko Volz

Das Äffle aus der Nähe betrachtet… ich hab mich mit Heiko Volz in der Cafébar Hölderlin getroffen und mit ihm über das Leben im Allgemeinen und die Karriere im Speziellen geredet…

Doof sollte man Heiko Volz nicht kommen. Seit 40 Jahren stehen Karate, Judo und Kung Fu auf seinem Sportplan ganz oben.

Bis ich sieben Jahre alt war, haben wir im Schwarzwald gewohnt. Direkt am Waldrand. Das war Freiheit pur. Danach sind wir viel umgezogen. Dadurch war ich immer der Außenseiter und wollte mich verteidigen können. Kampfsport mache ich nun schon über 40 Jahre. In manchen Lebenssituationen ist es gut zu wissen, dass man das kann.

Du bist heute ziemlich erfolgreich und in vielfältigen Bereichen unterwegs. War das beim kleinen Heiko damals schon absehbar?

Die ersten Jahre im Schwarzwald haben mich schon geprägt. Diese grenzenlose Freiheit – ich habe wenig Vorgefertigtes bekommen – das hat sich auf meine Kreativität und Spontaneität ausgewirkt.

Du sagst von dir, ein guter und begeisterter Esser zu sein. Kochst du selber?

Ich koche sehr viel. Spätzle, Zwiebelrostbraten, Soße… deftige Küche halt. Meine Großeltern haben super gekocht, da habe ich zugeschaut. Ich habe im Catering gearbeitet, Kochkurse besucht. Ich kann alles, Spätzle selber schaben… italienische, französische, asiatische Küche.

Klingt nach perfektem Ehemann…

Für meine Frau – ja. Lacht…

Außer einem Abstecher nach Frankfurt lebst du im Schwabenland, seit 25 Jahren in Stuttgart. Was ist so toll am Kessel?

Erstens: sehr leckeres Essen. Ich behaupte mal, besser als im Rest von Deutschland. Und natürlich die Landschaft hier. Ich wohne total schön im Grünen.

Stuttgart ist klein, übersichtlich, man ist schnell in der Stadt. Und wenn ich mal richtig ins Grüne will, bin ich das auch in 15 Minuten.

Also ein perfekter Platz für dich?

Ja, auch wenn mir manches nicht so gefällt: der Verkehr, Stuttgart 21, die Politik… Die Kessellage ist aber traumhaft.

Hast du ein paar urschwäbische Eigenschaften?

Kehrwoche kann ich. Aber so richtig urschwäbische Eigenheiten wie etwas langsam und neugierig sein und immer gucken, was machen die anderen – das brauch ich nicht.

Die Stadt verändert sich aber auch. Die Jungen sind anders. Außerdem ist Stuttgart gar nicht so schwäbisch, das ist eher auf dem Land. Vor 40-50 Jahren war das hier auch anders…

Während wir im Cafe sitzen, kommen immer wieder Menschen vorbei, grüßen, halten kurzen Plausch…

Das ist mein Kiez hier. (auf meine Frage, ob das nun angenehm oder lästig ist, dass einen die Menschen erkennen) Es ist grundsätzlich schön, manchmal wird’s aber zu viel.

Ist dein Hut ein Heiko Volz-Markenzeichen?

Stimmt. Die Leute kennen mich als der Moderator mit dem lustigen Hut. Wenn ich ihn abnehme, bin ich anonym. Dann will ich aber auch inkognito bleiben.  (Ist heute aber nicht der Fall… 🙂

Das Äffle gab’s ja zu deiner Kinderzeit schon. Hättest du je gedacht, mal dessen Stimme zu werden?

Mein Papa hat das Äffle zuhause immer nachgemacht, ich mochte das nicht. Es war mir peinlich. Als er erfahren hat, dass ich die Stimme vom Äffle werde, war er sehr stolz auf seinen Sohn.

© Lang-Film Medienproduktion

2010 war es soweit. Wie kam‘s dazu?

Zehn Jahre vor der Stimme war ich schon der Autor für die Äffle-und-Pferdle-Geschichten. Wir haben lange nach einer passenden Stimme gesucht, aber irgendwie hat es keiner so richtig hinbekommen. Den Äffle-Charakter, den muss man im Blut haben.

Du hast ihn?

Irgendwie schon.

Das Äffle hat einen krass schwäbischen Akzent – den hör ich jetzt überhaupt nicht.

Ich rede gar nicht so schwäbisch… Die Stimme vom Äffle ist schon sehr speziell. Und anstrengend. Am Anfang war ich echt heißer. Das hat sich natürlich über die Jahre gebessert. Jetzt kann ich gut eine Stunde das Äffle machen… Lacht.

Du hast mal gesagt, du denkst dir eine Geschichte aus und hörst schon die Stimme dazu. Darf die bei den beiden auch mal kritisch sein?

Die beiden werden natürlich moderner und auch frecher. Das Pferdle ist je eher phlegmatisch, das Äffle impulsiv, forsch, stellt manches in Frage…

Und ja, sie dürfen bis zu einem gewissen Grad ihre Meinung haben, aber nicht zu kritisch. Sie sollen Sympathieträger und Leitbilder sein. Wenn es gelingt, mit den beiden auf nette unterhaltsame Weise die Welt etwas zu verbessern, dann finde ich das gut.

Gehen dir nach all den Jahren nicht manchmal die Ideen aus?

Auf keinen Fall. Es ist echt nicht schwer, sich was Neues auszudenken. Für die beiden habe ich immer meine Antennen draußen…

Neben dem berühmten Schwabenduo gibt es noch einige andere spannende Projekte, die du gemacht hast oder noch auf die Beine stellst. Du hast die Simpsons nach Deutschland geholt, das amerikanische Kinderbuch Pauli Broccoli von Birgit Kuehn Waites ins Deutsche übersetzt, bist die Synchronstimme von Fernando Avocado…

Ich war immer meiner Zeit voraus. Das gehört irgendwie zu meinem Leben dazu. Und es hat mich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Ich bin etwas selbstbewusster und frecher geworden und kann mir glücklicherweise aussuchen, was ich machen möchte.

Aber es muss eine Sache sein, die meine werden kann. Wenn ich Blut lecke, mich das Ganze überzeugt, dann geht es über und wird zu meinem. Dann sorge ich auch dafür, dass es läuft.

Klingt so, als wärst du zufrieden mit deinem Leben.

Total. Es könnte nicht besser sein. Ich hätte nie gedacht, dass alles so laufen wird. Mir fällt echt viel in den Schoß, ich muss dem Glück nicht hinterher rennen. Aber ich habe auch viel dafür getan, hab die richtigen Leute im richtigen Moment getroffen. Und ich bin schon auch strebsam und ehrgeizig. Aber ich muss nicht alles haben.

Mann mit Hut und vielen Talenten: der Stuttgarter Marketing- und Medienberater, Hochschuldozent, Journalist, Autor, TV Moderator und Synchronsprecher Heiko Volz.

Angst vorm Älterwerden?

Hab ich nicht. Ich will authentisch bleiben, Sachen machen, für die ich reif bin in meiner Welt. Für Leute, die so drauf sind wie ich. Das ist doch spannend! Ich treffe immer neue Menschen, die mich inspirieren. Jede Begegnung ist kleine Veränderung. Improvisation mag ich und frei zu sein auch.

Zukunft läuft?

…ich bin unterwegs, halte nichts fest. Ich weiß, es kommt immer was Neues.

Ein paar Träume hab ich schon noch: Dass Kinder dahin wollen, wo Pauli Broccoli ist – beim Einkaufen in der Gemüseabteilung. Neue Spots beim SWR machen, wenn die nicht so teuer wären. Mehr live Singen auf der Bühne (anm. Seit Oktober 2017 singen die Äffle & Pferdle-Stimmen Heiko Volz und Volker Lang mit der Schwabenrockband Muggabatschr den Hafer- und Bananenblues live auf Konzerten), auch wenn ich nicht der tollste Sänger bin. Der Spaß am Singen reicht.

Man darf nie denken, dass man schon alles gemacht hat oder alles kann. Es geht immer noch was…

 

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