Leute, stuttgart diary

durch Stuttgart mit….Pia Nowotny von Martha‘s

Mein Viertel hat alles, was ich zum Leben brauche

Es ist noch ziemlich früh am Morgen. Doch Pia Nowotny hat schon ein breites Lachen im Gesicht, als sie mir die Tür öffnet. Ich bin im Stuttgarter Westen mit der Inhaberin von Martha‘s verabredet. Wir sitzen am großen Esstisch mit einem tollen Blick ins Grüne. Etwas abseits vom Großstadtdschungel siehts ein bisschen aus wie in der Toskana. Home sweet home ist Programm. Hier entspannt die Unternehmerin, wenn der Trubel in ihrem kleinen Laden im Königsbau mal wieder überhand nimmt.

Schon als 15-jähriges Mädchen fährt die gebürtige Heilbronnerin mit dem Zug allein nach Stuttgart, schaut sich die Staatsgalerie an, bummelt durch die Straßen und kauft sich Schallplatten in der Lerche, dem ehemaligen Musikhaus auf der Königstraße. „Das war in den 80ern alles sehr mondän und aufregend für mich.“ Der Zwischengang im Königsbau hatte es ihr damals schon angetan, nicht wissend, dass dort viele Jahre später mal ihre eigenes Unternehmen seinen Platz finden würde.

Dass die Naturliebhaberin jetzt in Stuttgart wohnt, hat sie nie bereut. „Der Westen hat alles, was ich brauche. Wir leben – um den Hölderlinplatz herum – wie in einem eigenen kleinen Dorf. Man kennt sich, hat seinen Bäcker, Metzger und den Biosupermarkt um die Ecke, kann alles zu Fuß erreichen.“ In ihrem Lieblingscafé startet Pia Nowotny oft in den Tag. „Das Vicino macht fast alle Produkte selber. Das gefällt mir. Außerdem ist man schnell in der Innenstadt. Ich liebe den Stuttgarter Wochenmarkt und die kontrastreiche Architektur. Den Mix aus Historischem Königsbau, Altem Schloss und dem modernen Kunstmuseum finde ich wunderbar.”

 

Martha‘s

Die Lebensqualität darf man nicht aus den Augen verlieren

Seit 2011 ist Martha‘s am Start und ein echter Fulltime-Job, bei dem gelegentlich die Lebensqualität ein wenig auf der Strecke bleibt. Deshalb besucht die Schwäbin in regelmäßigen Abständen Orte der Ruhe. Für die kleinen Rückzugsmomente zwischendurch zieht es Pia Nowotny immer wieder in die Stiftskirche. Dort, im Raum der Stille, ist sie ganz für und bei sich, hält einfach mal für zehn Minuten inne. „Ich bin nicht so arg gläubig, dennoch denke ich, dass es da irgendwas gibt.“ Hier fallen ihr auch die Geschichten von Oma Martha ein, die sie über den Krieg erzählt hat. „Wenn du überlegst, dass damals nach einem Angriff plötzlich nichts mehr da war, relativieren sich Probleme und Stress der heutigen Zeit irgendwie.“ Hat sie etwas mehr Zeit, sortiert die voller Dynamik steckende Unternehmerin ihre Gedanken am liebsten im Kräherwald. „Auch in schwierigen Phasen bin ich dort und tanke wieder auf. Das hilft mir sehr, ebenso wenn ich an neuen Ideen arbeite.”

Beim Thema schwäbische Tugenden winkt Pia Nowotny ab. „Privat muss nicht alles tiptop sein. Mein Umfeld muss leben, Patina haben, es muss sich gut anfühlen. Das ist wichtig.“ Ganz anders im Job. „Bei Martha‘s schaue ich ganz genau hin. Bei den Zutaten, bei meinen Mitarbeitern, bei der Sauberkeit. Da lasse ich nicht locker, bis alles perfekt läuft.“

Viel Zeit für sich bleibt der Mutter eines Sohnes nicht. Doch beim Thema Ballett fangen ihre Augen an zu leuchten. „Ich habe ein Abo. Darauf freue ich mich das ganze Jahr. Wenn die Musik losgeht und die Tänzer das Publikum verzaubern, dann vergesse ich den ganzen Stress um mich herum. Gerne würde ich viel mehr unternehmen, denn Stuttgart hat so viel zu bieten. Aber ich habe eine große Verantwortung für meine Familie. Martha‘ s so ganz alleine auf die Beine zu stellen, war und ist nicht immer einfach, aber es ist der absolut richtige Weg für mich. Und ich freue mich jedes Mal, wenn die Leute zufrieden meinen Laden verlassen, ich einen Artikel über Martha‘s in Vincent Klinks Tagebuch lese oder Götz Alsmann bei mir hereinschneit, jedes Mal, wenn er in Stuttgart ist. Daraus entstehen wunderbare Freundschaften. Das macht mich glücklich und gibt mir Kraft, genau so weiter zu machen.“

 
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