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ArtNight Stuttgart: Malerei als Vehikel für eine schönen Abend.

Kann man in zwei Stunden ohne nennenswerte Vorkenntnisse ein vorzeigbares Gemälde auf Leinwand bringen? Man kann. Die ArtNight macht‘s möglich. Kunst, Austausch, Spaß – vor allem für Menschen, die sonst mit Malerei wenig am Hut haben. Ich war zu Gast bei der Frida Kahlo ArtNight in der Stuttgarter Rosenau mit der Künstlerin Gesine Wittwer. Nette Idee und die Chance, mit Freunden mal wieder Offline zu sein…

Wir sind keine Malschule.

Alle Plätze sind an diesem Abend restlos ausverkauft. 25 Leute haben sich in der Rosenau eingefunden. Nur ein Mann ist dabei, der aber bis zu Beginn der Veranstaltung nicht wusste, dass er heute zum Maler werden soll. “Ich hatte mich auf einen entspannten Abend gefreut.” Stattdessen sitzt Robert jetzt vor einer weißen Leinwand und Acrylfarben und soll einem Porträt von Frida Kahlo Farbe und somit Leben einhauchen. “Ich habe in der Schule das letzte Mal gemalt. Ein bisschen Angst habe ich schon, es ist ein komisches Gefühl, hier malen zu sollen.”

Gesine Wittwer nimmt die Angst vor Farbe und Pinsel.

Gesine Wittwer kennt das. Die freie Künstlerin und Grafikerin aus Stuttgart leitet das 15. Mal eine ArtNight. “Am Anfang schauen alle sehr skeptisch. Die Menschen haben richtige Berührungsängste vor Farbe und Pinsel. Das ist irgendwie anerzogen. Aber wir sind ja keine Malschule. Es gibt keinen Grund für Stress, denn das, was wir hier machen, kann jeder.”

Skeptisches Lachen in der Rosenau. So richtig glaubt das hier noch keiner, denn die Blicke sind auf eine bereits fertige Leinwand mit dem Konterfei Frida Kahlos gerichtet. Ziemlich perfekt. Doch Gesine Wittwer lässt nicht locker. “Malerei ist das Vehikel für einen schönen Abend. Es geht schon stark ums Malen, aber ohne Druck, ohne Verbissenheit. Probiert die Farben, traut euch!”

Die plötzlich einsetzende Stille zeugt von hoher Konzentration. Die ersten Striche sind doch irgendwie die schwersten.

Ein Abend, der Leute zusammenbringt.

Petra hat den Abend von ihrer Freundin Manu geschenkt bekommen. “Ein Malkurs für nicht Maler”, sagte sie. “Ich war so schlecht in Kunst in der Schule. Und jetzt sitze ich hier…” Manu hat  – wie viele hier im Raum – die ArtNight in “Die Höhle der Löwen” gesehen und fand die Idee eines Social Events super. “Das Malen steht hier ja nur für eine Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen.” Früher hat Manu selber gemalt. “Aber das ist lange her. Und ich bin sehr selbstkritisch. Vor allem die Farbe Rot ist gefährlich.” Zeigt auf ihr Bild und den Sonnenbrand, den ihre Frida jetzt erstmal hat. Die beiden lachen.

Warum sie sich ausgerechnet Frida Kahlo ausgesucht haben? “Ach, die ist so eine interessante und schöne Frau gewesen.”

Und so gehen die zwei Stunden rum wie im Flug. Die weiße Leinwand wird bunt, die Gäste entspannen sich. Selbst Robert ist erstaunt über sein Werk. “Ich sollte so was öfter machen. Vielleicht fange ich ja an zu Malen.” Seine Freundin Marijana, die das Ganze heimlich eingefädelt hat, lacht erleichtert. Und auch Petra ist überrascht, wie schön ihre Frida geworden ist.

Am Ende sind 25 Portraits vollendet und jedes sieht anders aus: dick, dünn, fraulich, mit Schmollmund, herben Zügen oder markanten Augenbrauen… aber immer ist Frida Kahlo zu erkennen.

Die meisten sind erstaunt über sich selbst und sichtlich froh, ein so schönes Werk geschaffen zu haben. Die ArtNight Stuttgart ist ein wirklich nettes Spektakel mit Sinn, Spaß und einer ordentlichen Prise Herausforderung. Ein Event mit Potenzial.

 

 Mehr Infos und alle Termine in Stuttgart: ArtNight Stuttgart

1 Kommentare

  1. Lisa sagt

    liebes stuttgartdiary Team, ein super schöner Artikel. Eure Art zu schreiben gefällt mir sehr. Ich werde auf jeden Fall auch so eine Art Night besuchen. Danke für die Infos.

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