Leute, stuttgart diary

Sag mir, was du trinkst… zu Gast beim 0711GinTasting

… und ich sag dir, wer du bist? Gin Tonic natürlich. Und nun? Bin ich damit in bester Gesellschaft. Warum der so urplötzlich wieder aus der Versenkung kam, weiß wohl keiner so genau. Plötzlich war er da und jeder wollte ihn haben. Hype um ein Getränk, das schon etliche Jahrhunderte auf dem Buckel hat.

Im 16. Jahrhundert stellte ein Arzt in Holland einen Wacholderschnaps her, auch Genever (holl. Wacholder) genannt. Damals noch als Arznei gegen Magen- und Nierenerkrankungen gedacht, erkannte man ihn – dank seiner geschmacklichen Vorzüge – schnell als Genussmittel. Die in Holland stationierten englischen Soldaten brachten ihn auf die Insel und tauften in schlicht in Gin. Die Folgen waren not so funny. Gin war billiger als Bier und die Londoner tranken ihn, als gäbe es kein Morgen. (6 Millionen Engländer konsumierten 5 Millionen Gallonen Gin im Jahr – fast 23 Mio Liter). Gin als Alkohol der Armen. Da blieben einige auf der Strecke. Erst im 20. Jahrhundert gelang der gesellschaftliche Aufstieg.

Wie der Gin zum Tonic kam, ist schnell erzählt. Kurzer Sprung nach Indien in die Zeit der britischen Kolonialherrschaft.  Die dort stationierten englischen Soldaten wurden mit Gin aus der Heimat versorgt. Sie mixten ihn mit der Chinin Wurzel und Zucker. Voilà, der Gin Tonic war geboren.

Seit 2013 steigert sich das Interesse langsam wieder, die Menschen wollen schmecken, was sie da trinken. Einen Rausch bekommen sie von beidem. Beim Gin scheint der stilvoller zu sein. Der Ginhype hat aber auch einen Haken: Heute in eine Bar oder ein Restaurant zu gehen und einfach einen einfachen Gin Tonic zu bestellen – faktisch nur zwei Komponenten – kann zur Blamage werden. Wie hätten Sie ihn denn gerne? Wenn einem keine der tausend Möglichkeiten einfällt, kann man hochroten Kopfes die Bar verlassen oder man macht sich vorher schlau. Im eigenen Interesse. Denn was weiß der hinter der Bar schon, was dem vor der Bar wirklich schmeckt?

Allein 2017 wurden 300 neue Ginmarken eingeführt. Wer soll da noch den Durchblick behalten? Man könnte sich in der Graphic Bar im Londoner Trendviertel Soho durch die größte Sammlung mit 200 verschiedenen Gin Sorten trinken. Kann man machen, muss man aber nicht. Denn der Kessel wäre nicht der Kessel, wenn’s hier nicht auch ein paar lässige Locations für den Genuss des Wacholderschnapses geben würde. Mal abgesehen davon, dass aus Stuttgart der weltbeste Gin-Tonic-Gin kommt. Also, stolz den Kopf in den Wind und sich den Gin um die Nase wehen lassen.

Bleibt die Frage, welcher es denn nun sein darf. Wer nicht nur blind konsumieren will sondern wirklich mit Verstand bestellen möchte, kann sich auf einem exklusiven Tasting oder Seminar schlau machen. Ich habs getan und ein High End Gin Tasting von 0711Tastings auf dem Stuttgarter Fernsehturm mitgemacht. Um es vornweg zu nehmen, ich war echt geflasht. Und das lag nicht nur an der grandiosen Aussicht. Aber eins nach dem Anderen. Ähnlich wie bei einer Weinverkostung lernen die Teilnehmer verschiedene Gins, ihre Herstellungsmethoden, beigefügte Aromen (auch Botanicals genannt) und verschiedene Trinkweisen kennen.

Ok, es sind nicht 200 Sorten. Aber die 8, die hier gereicht werden, sind völlig ausreichend, um neben einer leichten Umdrehung im Kopf auch grundlegendes Wissen zu erlangen.

Doch wer denkt, Gin ist gleich Gin, wird hier eines Besseren belehrt. Der Unterschied ist verblüffend. Kaum vorstellbar, dass so viele Geschmacksrichtungen existieren. Wir testen Gin pur, dann auf Eis. Und dann die Sache mit dem Tonic. 33 Sorten gibt’s, alle lassen den Gin anders schmecken. Unser Gin-Guide lässt uns riechen, raten, mixen, schmecken. Es wird viel gefachsimpelt, die Lautstärke steigt mit jedem Gin. Am Ende ist jeder ein kleiner Fachmann und hat seinen Lieblings-Gin des Abends gefunden. Zwar hat hier jeder einen anderen Geschmack, dass der Abend ein Erfolg war, da sind sich aber alle wieder einig.

Gin in aller Munde. Mal sehen, wie lange sich dieser Trend hält. Seit diesem Tasting Abend kann ich auf jedem Fall eine 1A Gin Tonic-Bestellung beim Barkeeper aufgeben. Das ist doch schon mal was.

Lust auf ein Tasting? Hier geht’s lang…