Leute, stuttgart diary

„Das Publikum ist so kraftvoll, da entstehen magische Momente“ Interview mit den Rocky-Musicalstars Hannes Staffler & Trevor Jackson

„Wenn du etwas wirklich willst, tu es. Dann bist du glücklich. Und wenn du happy bist, geht noch viel mehr. Be inspired.“  Trevor Jackson, Musiker

So etwas hab ich lange schon nicht mehr erlebt: Menschenmassen die kollektiv ausflippen. Im positiven Sinne. Die Zuschauer im gut gefüllten Stage Palladium Theater Stuttgart stehen Kopf. Rocky – das Musical neigt sich dem Ende. Der Saal verwandelt sich vor aller Augen zur Kampf-Arena, ein Boxring schiebt sich in Originalgröße in den Zuschauerraum. Rocky auf der einen, Apollo auf der anderen Seite – so kommen die Rivalen vor dem alles entscheidenden Match durch die stehende Menge auf die Bühne gelaufen. Natürlich mit DEM Hit „Eye of the Tiger“. Das Finale beginnt. Ein Mann vor mir zuckt bei jedem Treffer nach links und rechts. Die Leute fiebern mit. Obwohl das Ende ja legendär ist. Das Ende…wie ging es noch mal aus? Egal, die Sympathie ist bei Rocky, die begeisterten Zuschauer klatschen stehend und jubelnd Beifall, bevor sich der Vorhang schließt. Doch vorher gibt Rocky alias Hannes Staffler noch das Go für einen Selfie-Flashmob…

ROCKY the End

Selfie erlaubt. Stars und Publikum hautnah beieinander. @Stage Entertainment

 

emma meets RockyZwischen zwei Rocky-Vorstellungen habe ich einen Termin mit zwei der Hauptdarsteller: Hannes Staffler und Trevor Jackson. Der eine Rocky Balbao, der sich ganz schön vermöbeln lassen muss, um am Ende doch noch ein Held zu werden. Der andere Apollo Creed, amtierender Weltmeister und Herausforderer, der nur so vor Selbstbewusstsein strotzt. Etwas zerschrammt sehen sie aus 😉 aber sie sind super drauf!!!

 

Ihr seid beide keine Schwaben. Trevor (NY) wohnt in Fellbach, Hannes (Südtirol) in Degerloch.  Ist Stuttgart eine neue Heimat?

Trevor: Ich kam 1997 von New York nach Stuttgart. In meinem Leben gab es gerade große Veränderungen. Zwei Jahre spielte ich den John in „Miss Saigon“. In Stuttgart begann meine Karriere. Trotzdem ging ich wieder in die USA. Aber so richtig wohl gefühlt habe ich mich dort nicht mehr. Seit über 15 Jahren bin ich wieder hier. Und ich bin echt happy.

Hannes: Stuttgart ist so etwas wie eine zweite Heimat. In Bozen gab es für mich keine Zukunft.  2006 kam ich hier her, als ich für „Elisabeth“ engagiert wurde. Stuttgart hat zwei große Theater und wirklich coole Musiker. Bozen liegt wie Stuttgart im Kessel. Die Schwaben und die Südtiroler sind sich ziemlich ähnlich von ihrer Mentalität. Sehr offen, es ist sofort eine Verbindung da. Der Umzug hat für mich sozusagen keinen großen Break bedeutet.

Außerdem habe ich hier meine Familie. Meine Frau, eine Stuttgarterin, und meine drei Kinder. Sollte ich doch mal Sehnsucht bekommen, ist man von hier auch ganz schnell in Bozen.

Seid ihr noch aufgeregt vor der Show?

Trevor: Ein klein wenig. Man braucht den richtigen Flow, um auf die Bühne zu gehen. Konzentration ist da sehr wichtig. Jeder Schlag muss sitzen.

Hannes: Genau, denn Routine gibt es bei Rocky gar nicht. Man muss immer angespannt und sehr wachsam sein. Nicht nur wegen den wechselnden Partnern, sondern auch wegen den Fights. Die müssen realistisch aussehen. Da kann man sich keine Patzer erlauben. Das ist aber auch das tolle an diesem Musical. Es ist jedes Mal anders. Langweilig wird das nie.

Wie lange kann man so eine Rolle mit Begeisterung spielen?

Trevor: Also mein persönliches Limit ist drei Jahre. Das Stück muss mich immer wieder begeistern, mich auch nach einer längeren Zeit noch interessieren. Ich muss richtig Lust haben, da raus zu gehen. Nur dann kann ich auch richtig gut sein.

Hannes: Wir haben ja am Theater Einjahresverträge. Wenn Rocky fünf Jahre in Stuttgart läuft, würde ich es auch so lange spielen, wenn man mich lässt. Aber Trevor hat Recht, Routine darf da nicht reinkommen. Wenn ich merke, die Luft ist raus und das Stück hat für mich nichts mehr zu bieten, dann muss was Neues kommen. Im besten Fall in Stuttgart.

Trevor: Das ist aber zum Glück noch nicht in Sicht. (Lacht)

Fehlt nicht manchmal die Motivation, zweimal täglich (außer Montag) den unermüdlichen Kämpfer abzugeben?

Hannes: Normalerweise hat man einen festen Rahmen, jeder Schritt, jede Szene ist ganz genau geplant. Rocky ist da eher ein untypisches Musical. Zum Glück. Wir Künstler haben sehr viele Freiheiten, wie wir die Szenen rausarbeiten. Die Flexibilität macht es immer wieder neu spannend. Das überträgt sich auch auf die Zuschauer.

Freier Tag. Wie verbringt ihr den?

Trevor: Schlafen, sehr viel (lacht) und Musik machen.

Hannes: Mit meiner Familie. Aber mit drei kleinen Kindern ist an Entspannung nicht wirklich zu denken. 😉

Aber auch außerhalb des Theaters lässt euch die Musik nicht los. 

Trevor: Seit ich klein bin, liebe ich die Musik. In meinen Songs mische ich R’n’B, Hip Hop und Rock und bringe einen ganz frischen Sound auf die Bühne. Das ist meine Freiheit, Musik zu machen, wie ich sie mag. Wenn ich singe und andere Menschen damit berühren und inspirieren kann, dann bin ich richtig glücklich.

Hannes: Das Musical ist Teil meines Lebens. Aber ich bin auch seit frühester Kindheit ein großer Rockfan. Die beiden Musikrichtungen beeinflussen mich sehr stark. Aus diesem Grund bin ich mit meiner Band Two Souls unterwegs. Hier kann ich Rockmusik und das Musical zusammen bringen. Meine eigene Musik ist eine willkommene Abwechslung und ich kann wunderbar abschalten. Das Beste: Da komme ich als Hannes Staffler, da bin ich ich. Die Leute kommen, um mich zu sehen. Das ist echt ein tolles Gefühl.

Der Kick, wenn man auf der Bühne steht…

Trevor: Es ist einfach großartig, wenn du alles gibst und das Publikum ist begeistert und zeigt es dir. Das ist so kraftvoll, fast wie Magie. Ich glaube, das ist überhaupt das Größte. Und der Grund, das Ganze zu machen.

Erkennen euch die Leute auf der Straße?

Hannes: Ich wohne in Degerloch, das ist wie ein kleines Dorf. Da kennen mich die Leute schon. Aber ich kann gut damit leben. Wir sind ja keine Superstars, darum hält sich der Rummel in Grenzen.

Trevor: Ehrlich? Ich weiß nicht, ob die Leute mich erkennen. Ich kann die Deutschen nicht so genau lesen. Bei den Amerikanern sieht man an ihrer Reaktion sofort, ob sie dich erkennen. Die Schwaben können ihre Emotionen echt gut verstecken. Das finde ich wirklich lustig.

Be inspired…

Trevor: Was ich in all den Jahren gelernt habe: Wenn du etwas wirklich willst, dann tu es. Dann wirst du auch glücklich. Denn wenn du richtig glücklich bist, dann geht immer noch mehr. Dann kannst du vieles schaffen. Und – man sollte sich immer das Kind in sich bewahren. Denn das Leben ist echt nicht einfach, aber hey, was ist schon einfach… 😉

 

 

Boxhandschuhe2Mehr Infos findet ihr hier:

Trevor Jackson

Hannes Staffler

 

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