Leute, stuttgart diary

Ich entwickle keine Trends. Ich schaffe Nachhaltigkeit. Ein Gespräch mit der Architektin Doris Wolfart.

„Wenn der Kunde zu 100 Prozent hinter dem Konzept steht, selber anfängt, Ideen zu entwickeln und das Gefühl hat, mitzugestalten – dann habe ich einen guten Job gemacht.“ Doris Wolfart

Ob eigene vier Wände oder Büro - ihr Style ist immer präsent.

Ob eigene vier Wände oder Büro – ihr Style ist immer präsent.

Ich bin zu Gast im Stuttgarter Süden bei Doris Wolfart, freie Architektin. Eine, die Häuser bauen kann. Ihre Leidenschaft aber gehört ganz klar dem Inneren eines Hauses oder einer Wohnung. Mit ihrem unglaublich Händchen für Stilvolles und einem nuancierten, frechen Mix aus Kunst, Alt und ultra Neu bringt sie ganz neue Töne in die Stuttgarter Innenarchitekturszene. 

Horch wer kommt von draußen rein?

Fasziniert hat mich die Innenarchitektur schon immer. Früher habe ich allerdings ausschließlich Häuser gebaut. Schließlich bin ich Architektin. Das Einrichten des Innenlebens habe ich anderen überlassen. Heute gebe ich das nicht mehr aus der Hand. Stattdessen versuche ich, dem Kunden ein Gesamtkonzept zu bieten. Wenn er möchte, bishin zur Vase für den Esstisch. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um einen Shop geht, ein Office oder einen Privatauftrag.

Klingt ziemlich Umfangreich…

Ich fange mit jedem Kunden bei Null an. Ein Allround-Konzept gibt es bei mir nicht. Alles ist immer individuell: Material- und Stilmix, die Farben, jedes Interior ist anders und eine Mischung aus unterschiedlichen Stilrichtungen. Auf den ersten Blick mag das nicht zusammen passen. Am Ende aber ist der Kunde begeistert, wie perfekt das harmoniert.

Außerdem sehe ich das Haus bzw. die Wohnung global, nicht nur einzelne Zimmer. Da ich beides kann, lässt sich das auch wunderbar verbinden. Natürlich habe ich ein sehr breites Netzwerk, gerade wenn es um ernsthafte Kunst oder spezielle Dinge wie Antiquitäten geht. Und um mich herum ist ein super Team von Architekten und Innenarchitekten.

5 Doris Wolfart

Der Blick aus dem Büro ist schon mal fantastisch. Zur Stadtmitte ists ein Katzensprung.

Wie sieht das Ganze in der Umsetzung aus?

Ich will in jedes Projekt möglichst viel von mir einbringen. Natürlich muss ich viel fragen und wissen, welche Vorlieben der Kunde hat, was er braucht, wie er tickt. Ich versuche ihn zu durchschauen. Die Auseinandersetzung mit dem Kunden ist ungemein wichtig. Nach und nach nähert man sich an. Erst wenn der Kunde zu 100 Prozent hinter dem Konzept steht, selber anfängt, Ideen zu entwickeln und das Gefühl hat, mitzugestalten – dann gehts an die Umsetzung.  Wenn das Konzept für den Kunden maßgeschneidert ist, habe ich einen richtig guten Job gemacht.

Gibt es einen ‚Doris Wolfart‘ Style?

Ja, den gibt es schon. Ich achte sehr viel auf Accessoires, Details, besondere Stoffe, Kleinigkeiten. Ich liebe Vintage Möbel. Mein Style ist eine sehr schöne Mischung aus vielen Dingen. Für  große und kleine Budgets. Man kann auch mit weniger Geld gute Dinge machen.

Und die Funktion ist wichtig. Gerade bei Shops wie dem ‚Abseits‘ muss man sich die Frage stellen: Kann man mit dem Design mehr oder weniger verkaufen, welche Kundschaft wird angesprochen, ist es immer noch authentisch?

Deine Inspirationsquelle(n)

Meine wichtigste Quelle für neue Ideen ist Paris. Das 6. Arrondissement (Saint Germain) ist Inspiration pur. Die französische AD (ARCHITECTURAL DIGEST) das Nonplusultra. Viele Möbel, die ich bei meinen Kunden einsetze, kommen aus Paris. Das Flair dort ist einmalig, der Chic unbeschreiblich. Im ‚Abseits‘ findet man zum Beispiel Goldleisten im französischen Barock.

Pompös wohnen als Trend?

Ich habe schon etwas andere Ansätze als manche Kollegen. Die Leute hätten vielleicht so ihre Wohnung niemals eingerichtet, sind aber danach wirklich happy. Ich gebe ihnen neue Impulse. Dabei muss nicht alles opulent sein. In den Büros herrscht eher typisch deutscher Minimalismus, aber auch da können kleine Accessoires einiges bewirken. Ich sehe diese Differenzierung als große Chance für  meine Kunden. Sonst könnte man ja gleich ins Möbelhaus gehen.

DW Hermes&co

Warum nicht mal Bauhaus, Hermes & Antiquitäten kombinieren?

Alles unter einem Hut. Das Ding mit der Familie…

Mein Büro gibt es seit fünf Jahren. Die Idee, mich selbstständig zu machen, kam nach der Geburt meiner Tochter. Nach zwei Jahren konnte ich die Aufträge nicht mehr alleine bewältigen. Jetzt sind wir schon zu fünft. Ich hatte nie das Ziel, irgendwann so und soviel Leute zu haben. Es wächst einfach stetig und es ist ein gesundes Wachstum. Trotzdem bin ich immer noch erstaunt, wie schnell das alles geht. Am meisten freue ich mich, wenn Kunden mich weiter empfehlen. Darüber läuft eine ganze Menge. Und ich merke auch, dass der Standort Stuttgart perfekt für mich ist. Hier bin ich nicht eine von vielen. Meine Mischung gibt es hier kaum. Ja, ich bin rundum glücklich.

 

Doris´  Shorties

Lebensmotto Nachhaltiges mit eigenen Ideen zu schaffen.

Stuttgart ist… mein Lebensmittelpunkt. Ich sehe hier meine Chance, bin seit 1996 hier und fühle mich sehr wohl. Da ich in ganz Deutschland und international Projekte umsetze, ist auch die strategische Lage perfekt. Flieger, Zug, Auto – alles schnell zu erreichen.

4 Dinge die dir wichtig sind Lebensqualität, Familie, Geborgenheit, Freunde

Doris´  Tipps

Lebensmittel Frische und gute Produkte sind mir auch beim Essen wichtig. Die bekomme ich in der Markthalle oder auf dem Stuttgarter Wochenmarkt.

Klamotten bungalow. in der Stiftstraße und natürlich im Abseits.

Restaurant Lilavadee in Degerloch und Kern’s Pastetchen in der Hohenheimer Str. 64. Am liebsten gehen wir ins OGGI am kleinen Schlossplatz. Wir sind sehr Personen bezogen. Dort kennt man uns, wir mögen die Leute, darum sind wir gerne dort. Die mögen auch Kinder 😉

Design Merz & Benzing mag ich sehr, vor allem die Blumen sind ganz toll.

2 Doris Wolfart

Interior Design ist die Welt von Doris Wolfart.

 

Schlusswort

Tendenzen Die Menschen setzen sich wieder mehr mit Innenarchitektur auseinander. Es gibt eine deutliche Bewegung dahin, dass sich Büros Gedanken machen über die Außenwirkung auf Kunden und dem Wohlfühlfaktor für Mitarbeiter. Die Firmen wollen ihren Mitarbeitern eine besondere Arbeitsatmosphäre bieten, eine Umgebung, in der sie sich wohlfühlen und dadurch mehr Kreativität zustande kommt. Selbst in meinem kleinen Büro gibt es eine Lounge für meine Mitarbeiter. Auch der Privatbereich holt da mächtig auf.

Bei der heutigen materiellen Überflutung müssen auch die kleinen Läden und Geschäfte investieren und den Anschluss halten, indem sie sich abgrenzen, ihr eigenes Gesicht schaffen.

 

Ihr wollt mehr? Hier gehts weiter…  Doris Wolfart

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