Leute, stuttgart diary

It‘s not an office, it‘s a creative collective

Coworking0711

Coworking in Stuttgart. Anders arbeiten. 

IT‘ler sitzen neben Fotografen, Texter plaudern mit Ingenieuren, Grafiker und Trainer philosophieren zwischen zwei Kaffee über Start-up Möglichkeiten… Ich bin in der Coworking0711 Space in Stuttgart. Ein Platz, der fruchtbarer Nährboden zwischen Kreativen aus dem Kessel sein soll. Gegen die Monotonie eines Homeoffice (welcher Freie kennt das nicht). Für Austausch und kreativen Input, für das Atmen und Leben vom und mit Unternehmergeist. Eine gemeinschaftliche Plattform, die Menschen verbinden soll. Open your Mind. Von mir zu wir. Dass die Menschen kommunizieren können und wollen, wissen wir seit Facebook, Instagram & Co. Hier wird das Ganze auf einen persönlichen Nenner gebracht. Face-to-face.

Rund 50 Freiberufler arbeiten in dem ehemaligen Polizeirevier auf 350 Quadratmetern nebeneinander und manchmal auch miteinander. Es gibt Meeting-Räume, feste und flexible Schreibtische, Einzel- und Gruppentische sowie kleine Büros. Geschäftsführer Harald Amelung über den Nutzen, den es haben kann, mit anderen Leuten zusammenzukommen…

Coworking0711

Gründer von Coworking0711 Harald Amelung.

Als erstes mal: Du bist wie ich Neigschmeckter (Zwickau). Wie bist du auf die Idee gekommen, ausgerechnet in Stuttgart zu coworken?

Harald Amelung: Ich habe in Erfurt angewandte Informatik studiert. 2008 kam ich nach Stuttgart. Arbeitete alleine im Homeoffice, die Decke ist mir auf Kopf gefallen. Ich habe es einfach nicht ausgehalten.

Bürogemeinschaften gabs schon. Aber noch nicht so entspannt und ziemlich teuer. Auf die Coworkingbewegung bin ich in den USA gestoßen. Die waren da schon viel weiter als wir hier. Und dann eröffnete das erste Coworking Space in Deutschland, das Beta House in Berlin. Natürlich war ich dort und es hat mich fasziniert.

Stuttgart ist nicht Berlin oder New York…

lacht… Auf keinen Fall… Ich habe versucht, die Idee hier in Stuttgart vorzustellen, habe Feedback eingeholt. War bei zahlreichen Meetups und habe dort meine Idee präsentiert. Es gab schon Leute, die das gut fanden. Und nach und nach kamen mehr. Bis dato nur als Idee, es gab noch keinen Raum für so eine Geschichte.

Es hat echt gedauert, bis sich unser Konzept rumgesprochen hat und Leute bei uns einen Platz gemietet haben. Und es gab wirklich schlechte Zeiten. Aber wir sind einfach dran geblieben.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart hat uns ideell unterstützt und uns gezeigt, wo Räumlichkeiten möglich wären. So bin ich mit meiner damaligen Geschäftspartnerin im März 2010 innerhalb des Kreativzentrums H7 in der alten Bahndirektion am Hauptbahnhof gestartet.

Stuttgarts erste Coworking Space. Das hat dort aber nur eineinhalb Jahre funktioniert. 

Ich wusste von Anfang an, dass es nur eine befristete Lösung sein wird. Ende 2011 war Schluss. Nach einer kurzen Zwischenlösung haben wir uns diese alte Polizeistation in der Gutenbergstraße angeschaut. Es sah überhaupt nicht wie ein kreativer Hotspot aus, an dem Leute zusammenkommen. Aber es hatte trotzdem was. Im August 2012 bin ich eingezogen. Alleine. Meine Geschäftspartnerin hatte sich anderweitig orientiert.

Und nun? Wie arbeitet es sich im Westen?

Der Umzug hier her hat vieles zum Positiven verändert. Erstens haben die Räume einen lässigen Loftcharakter. Zweitens ist hier ist viel mehr Leben, Stuttgart West ist der am dichtesten besiedelte Teil der Stadt, viele kreative Leute gibts hier und sehr viele Studenten. Kurze Wege, ein cooles Umfeld. Kurzum: ich fühle mich sehr wohl hier.

Im Aufenthaltsbereich hängt eine kleine Ahnengalerie… Was für Leute arbeiten euch?

Viele ITler gibts bei uns. Aber auch Journalisten, Texter, Autoren, Übersetzer, Ingenieure, Trainer, Grafikdesigner… Eine wirklich bunte Mischung. Sehr viele kommen von außerhalb, es sind echt wenig Schwaben dabei, einige internationale Leute kommen auch zu uns. Die bleiben dann auch manchmal nur für ein paar Monate. Andere sind seit Beginn an dabei. Bei uns ist immer Bewegung. Und das ist auch gut so. Neue Leute bringen neue Impulse.

Kann jeder kommen?

Klar, wir sind offen für jeden, der sich hier wohlfühlt und hier seine richtige Arbeitsumgebung findet. Überlegt kurz… Ein Berufszweig passt tatsächlich nicht: Vertriebler. Die telefonieren ständig. :) Ansonsten gilt, je offener du bist, desto einfacher ist es, bei und mit uns zu Netzwerken.

Nicht jeder ist täglich im Büro. Wie lernen sich die Coworker eigentlich untereinander kennen?

Ich stelle die Kontakte zwischen den Leuten her. Wir frühstücken gemeinsam oder essen Mittag, die Küche ist so ein kommunikativer Austauschraum… Wir gehen aber auch gemeinsames Wandern, spielen Bowling, Grillen zusammen. Unsere Community besteht aus rund 50 Kreativen, Tendenz steigend.

Wir haben auch eigene Mailinglisten, Verteiler, Facebook Gruppen – da kommunizieren  wir virtuell. Der Austausch ist aber locker und ungezwungen. Man muss gar nichts. Man kann auch einfach nur hier arbeiten.

Ist coworking0711 so geworden, wie du es dir gewünscht hast?

Auf jeden Fall. Ich sehe immer noch den großen Nutzen, den es haben kann, mit anderen Leuten zusammenzukommen. Nicht nur zum Austausch, sondern auch bei Aufträgen, die ich alleine nicht stemmen kann, weil an wichtigen Stellen das Know-how fehlt oder der Auftrag zu groß für einen alleine ist. Dann macht es Spaß, aus meinem Netzwerk Leute hinzuzunehmen oder zu vermitteln. Diese Art zu arbeiten ist großartig und macht mich glücklich.

Zukunftsmusik…

Ich kann mir vorstellen, noch mehr zu machen. Weitere Filialen in allen Stuttgarter Stadtteilen aufzuziehen. Wir haben zwar noch ein paar Arbeitsplätze frei, allerdings ist hier räumlich die Kapazitätsgrenze erreicht. Die Herausforderung besteht darin, aus den vielen kleinen Netzwerken ein großes zu machen. In meinem Kopf rattert es schon… ich bin offen für alles, was kommt.

 

Mehr Infos gibt‘s hier: Coworking0711 

 

 

 

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1 Kommentare

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