Leute, stuttgart diary

Wir haben eine Message in diesen komischen Zeiten.


Auf einer Veranstaltung im Aloft Stuttgart habe ich Aims and Pages zum ersten Mal live gehört. Zwei junge Musiker, mit einer Idee vom Leben und ziemlich viel 
Esprit. Ich habe Amy Talayman und Patrick Jakucs getroffen und mit ihnen über den Start im Musikbusiness, Glauben und Inspirationen gesprochen.AUP

Wann habt ihr das erste Mal gespürt, Musik ist mein Ding?

Patrick: Ich komme aus einem sehr musikalischen Elternhaus. Mit 6 Jahren war ich Breakedancer. Ich wollte unbedingt Tänzer werden, war auf vielen Meisterschaften. Mit 12 kam Klavier spielen, drei Jahre später die Gitarre dazu. Da habe ich auch das erste Mal Lieder geschrieben. 2014 dann the Voice of Germany…

Amy (lacht): Ich habe wohl die unmusikalischste Familie (bis auf meinen Vater), die man sich denken kann. Auf jeden Fall soll ich als kleines Kind permanent singend umher gerannt sein. Mein erstes Lied: Coco Jambo.

In der siebten Klasse stand ich mit dem Kamm vor dem Spiegel und sang Karaoke. Bis zum Abi habe ich dann immer auf allen Schulauftritten gesungen. Singen hat mir Spaß gemacht, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich da mal was werde.

Meinen ersten Song habe ich neulich mal wieder gelesen. Der war gar nicht so schlecht. Immerhin war ich da erst 15. Nach der Schule war ich eineinhalb Jahre in den USA bei Youth for Christ. Da ging es auch um Glaube und Musik. Ich habe mit Ghetto Kids gearbeitet und echt krasse Geschichten gehört. Dort habe ich so viel gelernt. Zum Beispiel sich zu trauen, das, was man kann, rauszulassen.

Wo habt ihr euch kennengelernt?

Das war 2016 in der Urban Life Church. Anfangs hatten aber keine Bindungslust. Nach und nach haben wir dann gemerkt, dass wir eine Ebene haben.

Euer erster Song entstand im Kofferraum eines Autos.

Patrick: Wir saßen im Auto von Amis Vater und haben einfach nur eine kleine Jamsession gemacht und zur Gitarre gesungen. Da waren zwei Stile, zwei Gedanken. Wir mussten uns erst zusammen finden. Am Ende hat sich RnB und Soul vermischt. Das war super.

Ihr seid ein Paar und ein Duo. Geht da nicht etwas Eigenheit verloren?

Patrick: Wir sind zwei starke Persönlichkeiten. Aber zwei Stile sind sehr wertvoll und es ist wichtig, dass man offen und frei bleibt. Die Unterschiedlichkeit ist gut…

Amy: Wir haben beide eine extreme Vorstellungskraft. Patrick setzt das genauso wie ich denke in Sound um. Wir sind echt seelenverwandt.

Wie seid ihr auf den Namen Aims and Pages gekommen?

Aims and Pages

Patrick und Amy über „Aims and Pages“

Patrick: Ein Bandnamen ist sehr wichtig. Das war nicht so einfach. Ich wollte unsere beiden Namen oder wenigstens die Buchstaben drin haben. Ich war auf dem Heimweg im Auto. Früher habe ich Amanda „Aims“ genannt. Und plötzlich war es da…Ziele und Seiten…Aims and Pages. Ich habe es sofort gegoogelt, aber das gab es noch nicht. Das war ein mega Gefühl.

Amy: Wir werden immer mehr zu unserem Namen.

Ihr habt noch kein Label. Wie hart ist es, alleine im Musikbusiness zu starten?

Amy: Unser erster Song war lover of my soul. Den haben wir ohne Vertrag, ohne Plattenfirma ganz alleine auf die Beine gestellt. Patrick studiert Musikproduktion. Ohne ihn hätten wir das nicht machen können. Wir haben den Song auf youtube gestellt, ganz ohne Werbung. Einfach mal sehen, was passiert. Pures Feedback sozusagen.

Der Post ging durch die Decke. Einfach so. Darauf hin kamen die Anfragen. Hochzeiten, Auftritte, als Vorband…

Die Kommentare auf Facebook oder YouTube zu euch sind die allesamt voll nett. Erreicht ihr Menschen anders, weil ihr auch privat ein Paar seid?

Patrick: Ich schätze, wir sind recht sympathische Menschen. Es ist gut und wertvoll, wenn man aufrichtig miteinander umgeht. Mit der Familie, den Freunden. Wenn es mal schwierig wurde, haben wir immer Menschen gehabt, die uns aufgefangen haben. Ich habe nie vergessen, wo ich herkomme.

Amy: Ich glaube, dass wir ein Paar sind, kommt gut an. Wenn es in der Gesellschaft um Liebe geht, dann reagieren die Menschen darauf. Liebe ist eine Art Grundbedürfnis. Das Nahbare ist uns wichtig. Wir haben uns gezeigt, wie wir sind. Wie wir uns lieben, füreinander da sind, das hat enorme Auswirkungen auf die Leute.

Es gibt nicht so viele Duos, die zusammen sind. Vielleicht geben wir eine Message ab in diesen komischen Zeiten.

Wo nehmt ihr die Ideen und Inspirationen für eure Texte her?

Amy: Lover of my soul habe ich vor vier Jahren geschrieben. Plötzlich war da ein Gedanke im Kopf. Und ich habe einfach nur geschrieben. Es hat mir total aus Seele gesprochen.

Mein Leben war gerade in einer schwierigen Phase. Ich bin von den USA zurückgekommen, musste die Kinder mit ihren Problemen zurücklassen. Ich war ein Teil ihres Lebens. Ich musste lernen, dass sich mein Umfeld stetig verändert. Aber mein Glaube an Gott ist immer gleich. Das ist mein Ruhepol und Zufluchtsort.

„Meine größte Stärke ist eine persönliche Beziehung zu Jesus zu haben. Mein Glaube war und ist meine Motivation. Daher kommen die Texte.“

Lover of my soul war eigentlich ein Lied für mich. Im Nachhinein merkt man, es betrifft auch viele andere. Das ist schön.

Patrick: Auch ich hatte Phasen in meinem Leben, die waren schwierig. Aber hey, keiner ist perfekt, und das ist auch gut so. Diese Phasen inspirieren mich. Die größten Komplimente sind für uns, wenn Leute sagen : „Man hat richtig gemerkt, das ihr echt und authentisch seid.“

Mal eben ein Lied von der Seele schreiben klingt gut. Aber meistens ist Songschreiben harte Arbeit.

Patrick: Ich habe Lieder, die liegen fünf Jahre im Kasten. Die Blockade ist das Schlimmste. Aber die muss man akzeptieren, muss offen sein, Dinge auch mal wegzulegen. Oft hat man auch Angst davor, du machst sich nahbar und hoffst, dass es gefällt,

Amy: Confidence ist key. Dazu stehe ich. So schließt sich auch der Kreis. Vertrauen haben und authentisch sein…

Patrick: Genau, positiv an alles rangehen. Die Angst wegzulegen. Denn Angst ist schlechter Ratgeber.

Die erste Single ist raus. Was steht als nächstes an?

Amy: 2018 wird ein spannendes Jahr. Wir wollen unsere erste EP selbst produzieren und raus bringen. Im Frühjahr heiraten wir. Beim Springfestival sind wir dabei. Und wir wollen das Jahr nutzen, um all unsere Ideen umzusetzen. Toll ist auch, dass die Leute auf uns zukommen und uns anfragen.

So eine EP kostet ja nicht nur Zeit, sondern vor allem Geld. Wie bekommt ihr das hin ohne Plattenfirma?

Patrick: Natürlich wäre es schön, einen professionellen Produzenten zu haben. Aber wir wollen auch wir selber bleiben und brauchen niemanden, der uns verändern möchte. So ein Album mit 12 Liedern kostet rund 20.000 Euro. Das sind schon enorme Kosten. Auf der anderen Seite haben wir die Freiheit, es so zu machen, wie wir das wollen.

Auch wenn es langsam vorwärts geht, bin ich dankbar für meine Entwicklung, die viele Arbeit, die ich reingesteckt habe, auch die kleinen Sachen, die ich gemacht habe. Wir hatten nicht die Connections, mit denen andere starten. Der langsame steigende Erfolg erdet ja irgendwie auch.

Amy: Ich bin froh über die vielen Erfahrungen, man weiß jetzt viel mehr vom Business. Das Beste ist aber, dass wir zusammen sind, tolle Familien und gute Freunde haben. Das bringt uns weiter.

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